Zweitblog; LSD

1. Mai 2008

Ich habe mit einem Zweitblog begonnen.

Übrigens nur so nebenbei, weil ich es auf news.orf.at nicht finden konnte und erwähnenswert finde: Albert Hofman, der Erfinder von LSD, ist im Alter von 102 Jahren gestorben.

Update: http://www.orf.at/080430-24531/index.html

Das Wasser müsste man selber mitbringen und pumpen

28. April 2008

Mattersburg ist keine Stadt, in die man sich auf den ersten Blick verliebt, sondern eine, die mit der Zeit immer weniger weh tut, bis jedes Gefühl im Körper tot ist und man aufhört Widerstand zu leisten. Wenn man also nicht gerade daran denkt wegzuziehen und noch ein Funken Leben in einem pocht, überlegt man, wie man seinen Aufenthalt angenehmer gestalten könnte.

Was mir persönlich Freude bereiten würde, wäre die Errichtung einer Statue von Didi Kühbauer in Lebensgröße, verharrend in einer für ihn typischen Pose: dem Schiedsrichter wild gestikulierend ins Gesicht fauchend. Eine Schiedsrichter Figur gäbe es nicht. Stattdessen eine in ihrer Höhe justierbare Plattform, die jeder benutzen könnte, um sich auf Angesicht zu Angesicht mit der Fußballerlegende zu hieven oder zu senken und einen Schnappschuss davon machen zu lassen. Auf Knopfdruck käme ein feuchter Sprühnebel aus seinem Rachen geschossen. Man stelle sich diesen Spaß mit Männern, Frauen und Kindern, aber vor allem mit Greisen, Blinden und Menschen mit Down Syndrom vor. Letztere hätten wohl die meiste Freude daran, und würden wahrscheinlich auch die meiste Freude bereiten.

Diese Attraktion würde Mattersburg zu einer besseren Stadt machen, und unseren Kindern eine Perspektive bieten. Sie wäre, von diesem Ende aus gesehen, ein Schritt in die richtige Richtung.

Antworter

24. April 2008

Die größte Enttäuschung meines Lebens ist, dass meine Altersgenossen insgesamt immer dümmer werden, anstatt klüger. „Später, wenn ich groß bin, sind alle meine Freunde erwachsen, das heißt vernünftig und weise“, erlag ich schon früh einem tragischen Trugschluss und legte, von aufgezwungenen Schulfreunden maßlos genervt, meine Hoffnungen an ein gutes Leben in die Zukunft. Ähnlich wie religiösen Menschen der Glaube an ein Leben nach dem Tod hat mir diese Vorstellung auch später noch Kraft und Halt gegeben, wenn sich aufgrund meiner einnehmenden Art mal wieder jemand dazu gemüßigt gefühlt hat, mich über die Welt und die Dinge aufzuklären, und wie sie wirklich sind. Wer kennt das nicht. Je primitiver die Ergüsse, je tiefer das Niveau, auf dem schwadroniert wird, umso überzeugter ist der Vortragende in der Regel von sich selbst. Umso widerlicher sind meist seine Fantasielosigkeit und sein Selbstmitleid, umso mehr verrät sein aggressiver Gestus geistige und emotionale Schwächen, umso mehr wird versucht Minderwertigkeitskomplexe mit chauvinistischem Gehabe zu maskieren. Der einzige Grund, so einem Menschen zuzuhören, der alles weiß und nichts versteht, ist Mitleid, oder Unachtsamkeit. Ich bin oft unachtsam, stelle viele Fragen. Das entspricht meiner kindlichen, unschuldigen Natur. Ich schaffe es nicht, mir das abzugewöhnen. Da geschieht es mir recht, dass sich immer wieder Leute an mich wenden, die nie Fragen stellen, sondern immer nur Antworten geben. Antworter. Solche Menschen haben einen Narren an mir gefressen. Sie sind abhängig, nein süchtig nach Zuhörern wie mir, und kümmern sich mit erstaunlicher Fürsorge um mich, wenn sie erst mal einen Fuß in meiner Tür haben. Und das passiert. Oft. Meine Neugierde gerät dann immer mit meiner Leidensfähigkeit in Konflikt, und ich verlasse deshalb nur ungern das Haus. Zu hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man so einem mal wieder über den Weg läuft. Besonders abends am Stammtisch, aber auch sonst überall, wo man so leichtsinnig ist, voraussetzungsloses freies Reden zu gestatten. Denn sie sind zahlreich, und sie sind überall, wo man sie hinlässt! Zur Arterhaltung bedarf es leider keiner Weisheit. Das Gen ist egoistisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie weniger werden, schätze ich als gering ein. Sie sind zu dumm um zu leben, aber zu viele um auszusterben.

Hilft’s nix, schadet’s nix

23. April 2008

Mein Körper rotiert durch die Küche. Ich bin gerade mit dem Essen fertig. Es hat mir geschmeckt. “Weiß ich nicht”, antwortet mein Vater auf meine Frage. Sie lautet: “Was essen wir morgen?” Und ich erschrecke für einen Moment und denke: “Ist das gerade aus meinem Mund gekommen?”

Jung ist, wer nach dem Essen über Fußball oder hübsche Mädchen mit hübschen Titten spricht. Erwachsen ist, wer nach dem Essen über seine Scheidung oder scharfe Kolleginnen mit scharfen Titten spricht. Ein alter Sack ist, wer nach dem Essen mit seiner Frau über’s nächste Essen spricht, ohne dabei an Titten zu denken. So einfach war das früher. Heute ist das alles viel komplizierter. Die Grenzen zwischen den Generationen sind ganz zerfahren. Wer soll sich da noch zurechtfinden? Wer soll da noch verstehen, wo er hingehört? Wie kann man diesem Prozess entgegenwirken? Ich kann es nur vermuten.
Notiz an mich selbst: heute vor dem Einschlafen eine halbe Stunde ganz fest an Titten denken.

Was ist aktives Wahlrecht, was passives?

22. April 2008

Meine Englischlehrerin huscht mit einem ansteckenden Schwung durch den Unterricht. Das ist schon mal ein Vorteil. Sie bietet aber nicht nur den Schwung, sondern auch die Sensibilität, die es braucht. Wenn bloße Worte bei der Vermittlung von Sprachgefühlen versagen, vibriert ihr ganzes Selbst in Resonanz mit den kräftigen Bildern, die ihr vorschweben, und lässt uns damit verstehen. Manchmal fängt sie dabei an zu glimmen wie ein scheues, aber neugieriges Glühwürmchen.

Ich habe mein Zimmer aufgeräumt. Eigentlich meinen Schreibtisch, aber das ist schon ganze Arbeit. Schreibtisch aufräumen ist Archeologie. Durch Schichten graben und Staub abwedeln. Vergangenheit freilegen. Mein ältester und interessantester Fund: ein zerknitterter Zettel, liniert, Kleinformat, wohl irgendwo zwischen DIN A6 und A7. Datiert mit einem Tag, 1998. Mit dicker Pelikan Feder für Linkshänder in Königsblau notiert: “Adolf Hitler zum Schulsprecher wählen. Alternative: Michael Tschürtz.”

Und weinen auch

21. April 2008

Wir haben also vor ein paar Tagen den fünften Platz beim burgenländischen Bandwettbewerb belegt. In der Vorrunde. Wir waren natürlich alle böse auf die Jury (besonders Bernd), weil wir arrogant genug sind, um uns für die beste Band in Mitteleuropa Nordburgenland zu halten und fest davon überzeugt waren, dass andere Menschen das unweigerlich auch erkennen müssten. Ich würde ja gerne sagen, die Leute in der Jury haben unsere Musik nicht verstanden, aber unsere Musik ist so leicht zu verstehen, dass es sich dabei schon um einen tragischen Fall von Gruppen-Imbezilität handeln müsste. Naja, schade um die schönen Preise und den Handschlag mit dem Landeshauptmann-Stellvertreter. Der hat so träumerische Augen.

Aber kein Mitleid! Charlie Chaplin wurde mal dritter bei einem Charlie Chaplin Look-Alike-Wettbewerb. Menschen sind eben auch nur Menschen. Menschen träumen, hoffen und bereuen. Und die Menschen werden bereuen.

Colombin bei Radio Orange

9. April 2008

Bernd und ich werden am 3. Mai zu Gast bei WAKE UP with stuard auf Radio Orange 94.0 mHz sein und ein wenig über die Band plaudern. Außerdem stellt Bernd seinen Charming Club vor, den er mit seinem Kollegen Cowboy Killer a.k.a. Markus Hauer monatlich im Badeschiff in Wien veranstaltet. Da mache ich jetzt natürlich Werbung dafür. Die Sendung wird aufgezeichnet und auf der Radio Orange Website als Download zur Verfügung gestellt, für alle, die sich nicht in Wien aufhalten.

Colombin bei WAKE UP

This Charming Club

Songs online

8. April 2008

Hallo ihr. Die Colombin Demo ist jetzt online.

http://www.myspace.com/colombinband

Colombin

8. April 2008

Bernd ist jetzt also im Spital. Die haben ihn dort gestern aufgeschnitten. Sowas ist ja nie ganz ungefährlich, aber er hat es anscheinend überlebt. Gestern habe ich versucht ihn anzurufen, er hat nicht abgehoben. Ein paar Minuten später kommt per SMS: “Bin saumüde.” Besser Sau als gar nichts.
Ich möchte ihn heute besuchen und hoffe, ich finde das AKH. Hab ich schon mal von meinem schlechten Orientierungssinn geschrieben? Nein? Nun, es ist so: er ist schlecht. Aber ich muss es finden. Es gibt Dinge, die Bernd braucht, und ich werde sie ihm bringen. Magazine und Zeitschriften, hauptsächlich. ÖKM, Schlüsselloch, Praline, Wendy, … Ohne die ist Bernd nicht Bernd. Die helfen ihm sicher dabei sich schnell zu erholen.

Am Freitag haben wir unser Demo aufgenommen. Vier Songs haben wir geschafft. Ich lade gerade die in New Jersey gemasterten Tracks auf meine Festplatte. Mehr Worte möchte ich über die Aufnahmen nicht verlieren, ihr werdet sie ja bald selber hören können und euch ein positives Urteil bilden.

Ich bin mal wieder Schüler, da ich das WIFI in Eisenstadt besuche und dort in Abendkursen die Berufsreifeprüfung ablege. Wenn alles glatt läuft, kann ich nächsten Herbst schon studieren. Damit liege ich mit meinen dann 26 Jahren besser in der Zeit als vormals erwartet. “Middle European interdisciplinary master programme in Cognitive Science”, das ist das Studium mit dem längsten Titel, den ich finden konnte. Das möchte ich dann machen. Aber das geht nur mit einem Bachelor, also liegt da noch viel Arbeit vor mir.
In der Zwischenzeit muss ich mir eingestehen, dass ich komplett schasaugad bin. Ich kann nicht mehr mehr erkennen, was auf der Tafel steht, selbst, wenn ich in der ersten Reihe sitze, was ich immer - wenn möglich - tue. Erwachsene im zweiten Bildungsweg spotten einen da nicht gleich einen Streber, so wie damals. Hätte ich das früher gewusst, ich hätte gleich mit dem zweiten Bildungsweg angefangen und hätte mir die ganzen Traumata erspart. Oh die Finsternis!

Meine Band heißt jetzt übrigens nicht mehr Das Sterben, weil der Name zu oft falsche Erwartungen geweckt hat und etwas zu derb klingt. Die Band war sich darüber einig, und wir hatten schon seit einiger Zeit nach einem neuen Namen gesucht. Meine Vorschläge waren total super, die der anderen total peinlich, und wir haben lange diskutiert. Der erste akzeptable Name, den Bernd vorgeschlagen hat, war dann Colombin, nach einer Geschichte mit dem Titel “Amerika gibt es nicht” von Peter Bichsel. Da musste ich dann nachgeben, sonst hätte die Namenssuche nie ein Ende gefunden. Und hiermit entlasse ich euch mit einem Zitat aus “Amerika gibt es nicht”.

Am Hof gab es starke Leute und gescheite Leute, der König war reich und mächtig, die Frauen waren schön und die Männer mutig, der Pfarrer war fromm und die Küchenmagd fleißig – nur Colombin, Colombin war nichts.

Wenn jemand sagte: „Colombin, kämpf mit mir“, sagte Colombin: „Ich bin schwächer als du.“

Wenn jemand sagte: „Wie viel ist neun mal drei?“, sagte Colombin: „Ich bin dümmer als du.“ Wenn jemand sagte: „Getraust du dich über den Holzzaun zu springen?, sagte Colombin: „Nein, ich getraue mich nicht.“

Und wenn der König fragte: „Colombin, was willst du werden?, antwortete Colombin: „Ich will nichts werden, ich bin schon etwas, ich bin Colombin!“

Erfolg? ERFOLG!

2. April 2008

Unser Auftritt im B72 war so aalglatt und fehlerlos, dass er schon wieder langweilig war. Und zu kurz. Viel zu kurz. Ich hätte gerne noch eine halbe Stunde drangehängt. Aber unser Repertoire, das müssen wir halt noch erweitern. Doch keine Sorge, ich zerberste vor Ideen. Ihr werdet sehen, es macht sich bezahlt, uns im Auge zu behalten. First we take Vienna, und dann ab nach Manhattan! Blöder Spruch.

Am Freitag, also übermorgen, arschen wir uns im Primitive Studio in Wien ein, und nehmen ein paar Songs auf. Die Aufnahmen lassen wir auch von einem guten New Yorker Vorstadt Typen mastern, es soll ja eine ordentliche Sache werden. Nicht, dass New Yorker prinzipiell besser mastern als Wiener oder sonst wer, aber der Dollarkurs steht gerade so günstig, und die Konkurrenz ist drüben größer, was natürlich die Preise drückt. Wir sind globale Player, Baby.

Jedenfalls denke ich, das wird euch gefallen.

Ach ja, Bernd hat einen Das Sterben Flickr Account eingerichtet.